Ein Text für die Zertifikatsfeier, der auf ein wunderbares Jahr FSJ Politik/FSJ Kultur zurückblickt

Wo bin ich?
Und wo möchte ich hin?

Wer bin ich?
Und wer möchte ich sein?

Bin ich glücklich?
Und was bedeutet Glück für mich?

Habe ich Zeit, mich mit all diesen Fragen auseinander zu setzen?
Eigentlich nicht!

Der Mensch soll effizient sein. Nach dem Turbo-Abi muss der Bachelor gemacht werden (natürlich in Regelstudienzeit), um möglichst schnell der Wirtschaft zur Verfügung zu stehen.

Du hast noch Zeit? Dann mach einen Nebenjob, um dein Studium zu finanzieren.
Dann kommst du wenigstens nicht auf dumme Gedanken.
Zum Beispiel den Gedanken, dass du dir Gedanken machen könntest.
Wer du bist.
Und was du eigentlich willst.

Ich habe mir dies Gedanken gemacht.
Ich habe mir die Zeit genommen, denn ich bin ausgebrochen. Ausgebrochen aus einem System, das nur auf Effizienz ausgerichtet ist.

Ich habe gekündigt und die Sicherheit eines unbefristeten Arbeitsvertrages eingetauscht gegen die Freiheit, ich sein zu dürfen.

Ich habe mir eine einjährige Auszeit genommen, genauso wie etliche andere, die mit mir ein FSJ gemacht haben.

Wir sind ausgebrochen und haben zusammen ein Jahr verbracht, von dem wir noch unseren Enkeln erzählen werden.

Wir haben zusammen gelacht, gespielt, getanzt und gefeiert.

Wir sind bis an unsere Grenzen gegangen, haben festgestellt, dass diese weiter entfernt sind als wir dachten, und sind über uns hinausgewachsen.

Wir haben unserer Kreativität freien Lauf gelassen und dabei großartige Werke geschaffen.
Wir haben Lieder komponiert, Texte verfasst, Theaterstücke geschrieben, Tanz und Akrobatik einstudiert, Videos gedreht, Holzkonstruktionen zusammengeschraubt, aus Steinklötzen Figuren gehauen und all dies dann auch präsentiert.

Und ganz nebenbei haben wir uns selbst verwirklicht.
Wir hatten die Möglichkeit, uns mit dem auseinanderzusetzen, was uns bewegt.

Wir wissen nun, wer wir sind und wohin unsere Reise gehen soll. Zumindest besser als noch ein Jahr zuvor.

Und auch in diesem Jahr gibt es eine neue Generation FSJ-ler, deren Eltern davon überzeugt sind, es sei ein vergeudetes Jahr.

Denn der Mensch soll effizient sein. Da bin ich anderer Meinung.

Primär sollte der Mensch Mensch sein.